02
Sep
08

Sant’Agata Artigiana e Contadina di Leprino

Manche Bilder in unseren Köpfen sind von Vergangenem geprägt und bleiben auch dann noch gültig, wenn sie in der Realität längst abgelöst worden sind. Das Piktogramm eines Telefons erkennen alle sofort, obwohl nur noch wenige – ich gehöre zu dieser Minderheit – ein Telefon benutzen, dessen Design dem Modell entspricht, an dem sich das Piktogramm orientiert. Meine Vorstellung vom italienschen Dorfleben entspricht ziemlich genau dem, was im Centro Polivalente (dem „Mehrzweckzentrum“) von Sant´ Agata gezeigt wird. Dabei handelt es sich um Szenen aus den frühen und mittleren Dekaden des vergangenen Jahrhunderts.

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Die Ausstellung ist das Lebenswerk von Faliero Lepri (genannt Leprino). Er sitzt auch am Eingang und ist für Fragen offen. Nach dem letzten Weltkrieg begann er damit, die Modelle und Szenen zu fertigen. Damals war er Betreiber eines Lebensmittelgeschäfts und wollte als Schaufensterdekoration etwas mit seinen eignen Händen schaffen, das eine Verbindung zu seinem Dorf und zu seiner Vergangenheit haben sollte. Nach und nach erschuf er einen Teil seines Dorfes und seiner Familie im Modellformat. Schließlich erwuchs diese Ausstellung daraus. Die Figuren bewegen sich. In einem hölzernen Rahmen befinden sich Motoren aus alten Plattenspielern, überzogen mit Pappmaschee und in Kleider gesteckt, die der Mode der damaligen Zeit entsprechen. Die Gebäude sind aus Karton, die Werkzeuge aus Holz oder Aluminium. Alte Handwerke, die Landwirtschaft und das Dorfleben des letzten Jahrhunderts finden sich hier auf wenigen Quadratmetern illustriert. Es gibt die enge Wohnstube, die auch noch den Platz für diverse Heimarbeiten hergeben muss und den zusammengesunkenen Trinker, dem der Wirt Mut zuspricht. Obwohl es heißt, dass einzelne Figuren einerseits ganz reale Personen aus Sant` Agata karikieren, kann man andererseits in Vielem eine vergangene ländliche Kultur erkennen, die es ähnlich überall in Europa gegeben haben mag.

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Dabei finden soziale und politische Konflikte, an denen es im Italien des 20. Jahrhunderts ja keinen Mangel gab, allerdings keinen Niederschlag.

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Auch die Kinder haben sich lange mit der Ausstellung beschäftigt, entdeckten manches Ding, das es so auch in unserem Urlaubsdomizil gab und wollten Vieles erklärt bekommen.

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Der Eintritt ist frei (um eine Spende wird gebeten), die Öffnungszeiten sehr eingeschränkt. Bevor man sich auf den Weg macht, sollte man sich besser noch einmal erkundigen.

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Im Garten des Centro Polivalente gesellten wir uns anschließend noch auf ein Glas Wein zu den freundlichen Dorfbewohnern, die dort ihren Sonntagnachmittagsbeschäftigungen nachgingen: Boccia spielten, eine Chorprobe abhielten oder einfach diskutierten. Gern wäre ich hier noch etwas länger geblieben und hätte langsam den Abend eingetrunken.

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Adresse: Piazza della Libertá, Centro Polivalente – Sant’Agata , Scarperia, Italia


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