20
Sep
08

Mark Twain Hotel

Auf der Homepage wird in einem Gästeprofil gleich unmissverständlich klar gemacht, wen man hier gerne hätte: Individualisten, die den Charme und Charakter eines historischen Hotels zu schätzen wissen. Das Mark Twain Hotel gibt es seit 1928 und viele Details erinnern an diese Zeit, die Jalousien und das Treppengeländer aus Messing, aber teilweise leider wohl auch die technische Ausstattung.

Als ich meinen Koffer für diesen Aufenthalt packte, hatte ich Albert Hammond mit „It never rains in California“ und die üblichen Strand- und Sonnenscheinbilder im Kopf. Ich kam von San José über den Highway und es regnete so stark, dass ich zeitweise kaum etwas erkennen konnte. Es regnete bei meiner Ankunft im Hotel, es regnete auf meinem Weg durch Chinatown, es regnete an der Fisherman´s Warf, es regnete auf dem Rückweg mit dem Cable Car, es regnete den ganzen Tag. Ich verließ das Hotel in meiner Anzugsjacke, etwas Passenderes hatte ich nicht dabei. An jedem Block erstand ich ein weiteres Utensil, das mich vor dem Regen schützen sollte. Gegen Abend zurück im Hotel, konnte ich dennoch Strümpfe und Unterwäsche auswringen.

Mein Zimmer befand sich in der siebten von neun Etagen, am Ende mehrerer unübersichtlicher Gänge. Ich hatte das Gefühl, es sei der einzige vermietete Raum auf der Etage. Der Wind pfiff beunruhigend um das Gebäude. Das Zimmer war recht klein, nach hinten raus. Ich blickte auf feuchtglänzende Dächer und Hinterhöfe. Zur Ausstattung gehörte eine kleine Maschine, die sowohl für die Zubereitung von Tee als auch von Kaffee herhalten musste. Ich setzte einen starken Kaffee auf, drehte die wie eine Höllenmaschine anmutende Heizung voll auf und ließ heißes Wasser in eine überdimensionierte Badewanne. Als ich in der Wanne saß und langsam wieder etwas Wärme in meine Glieder zurückkehrte, fiel plötzlich der Strom aus. Absolute Dunkelheit um mich herum! Ich bin nicht gerade der ängstliche Typ, aber ich hab viel gelesen und bin im Kino gewesen…

Nach fünf Minuten ging das Licht wieder an. Mir war nichts passiert, aber ich verstand jetzt das Gästeprofil mit dem Individualisten und dem schätzenswerten Charme eines historischen Hotels.

Das Mark Twain Hotel verfügt über 128 Zimmer, mit Kabelfernsehern, Wireless LAN, Minikühlschrank und Safe. Es ist sehr sauber und das Personal ist beeindruckend freundlich und hilfsbereit. Als ich da war, gab es im Hotel selbst keine Frühstücksmöglichkeit, zu günstigeren Jahreszeiten soll das anders sein. Der Taylor Coffee Shop direkt neben dem Hotel hat aber auch ein ganz ordentliches Frühstücksangebot. Ohne Zweifel gehört das Hotel zu den preiswerteren in San Francisco. Vor allem liegt es aber wunderbar zentral in Downtown, in der Nähe des Union Square. Das Cable Car ist genauso wie das Kongreßzentrum in Fußnähe. Einkaufsmöglichkeiten, Theater, Galerien und Restaurants konzentrieren sich in engem Umkreis. Für das Fish & Farm Restaurant (http://www.fishandfarmsf.com/) bekommen Hotelgäste 10 % Rabatt.

Im selben Block befindet sich übrigens die methodistische Glide Memorial Church, eine der populärsten Kirchen der Stadt. Das hat sie neben ihrem Chor und ihrem charismatischen Prediger Cecil Williams vor allem auch ihren sozialen Projekten zu verdanken. Wer die negative Seite des amerikanischen Traums illustriert haben will, braucht zu bestimmten Zeiten nur um die Ecke zu biegen, um eine endlose Schlange von Bedürftigen zu sehen, die auf die kostenlose Lebensmittelausgabe warten.

Adresse: 345 Taylor Street 345, CA 94102 San Francisco, USA


2 Responses to “Mark Twain Hotel”


  1. 1 hyke
    17. April 2009 um 08:09

    Ein wohl wirklich recht individuelles Hotel.. Ich habe für die großen Kettenbunker sowiso nicht viel übrig. Schöner Artikel und schön, Dich hier gefunden zu haben.

  2. 2 stroheim
    17. April 2009 um 23:00

    Danke hyke. Ich verstehe Die Leute nicht, die vereisen und Alles haben wollen wie zuhause. Ich kann 08/15-Hotelzimmern auch nichts abgewinnen. Wenn ich mittlerweile nicht ein weiteres interessantes Hotel in San Francisco empfohlen bekommen hätte, wäre ich beim nächsten Mal wieder im Mark Twain abgestiegen.


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