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Dez
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Mahnmal Levetzowstraße

An dieser Stelle befand sich mit 2000 Plätzen die größte und prächtigste der drei Synagogen Tiergartens.

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Sie wurde während der Pogromnacht am 9. November 1938 von Nazis angezündet und brannte teilweise aus. Auf Geheiß der Gestapo wurde das Gebäude am 1. Oktober 1941 von der jüdischen Gemeinde als Durchgangslager hergerichtet. Die Vertreibung von Juden aus ihren Wohnungen diente auch dazu, Ersatzwohnraum für ausgebomte Familien zu schaffen, die dem Rasseideal der Nazis entsprachen. Später kam ein weiteres Sammellager in einem ehemaligen jüdischen Altersheim in der Großen Hamburger Straße dazu. In der Levetzowstraße wurden zeitweise über 1000 Personen untergebracht ehe sie zum Güterbahnhof Putlitzstraße getrieben und in die Ghettos, Lager und Vernichtungsstätten des okkupierten Osteuropas deportiert wurden. In dem Sammellager wurden sie gezwungen Ausweise, Lebensmittelmarken und Wertgegenstände, auch goldene Gebissteile abzugeben. Vermögensverzeichnisse wurden angelegt. SS-Männer sorgten für eine grauenvolle Atmosphäre. Einige Juden zogen den Todessturz von der Empore auf den Marmorfußboden der Deportation vor.

Die Synagoge befand sich an einer stark belebten Straßenkreuzung, neben einem Postamt und einer Schule. Den Berlinern blieb nicht verborgen, wie SS-Männer Juden mit Fußtritten und Gewehrkolbenstößen aus der Synagoge trieben.

Das Gebäude wurde im Krieg beschädigt, aber nicht zerstört. Nach dem Ende der Naziherrschaft stand sie zehn Jahre lang leer, dann wurde sie abgerissen.

1988 wurde hier ein Mahnmal des Bildhauers Peter Herbrich und der Architekten Jürgen Wenzel und Theseus Bapert errichtet. Eine stilisierte Deportationsrampe und ein stählerner Eisenbahnwaggon auf Schienen, vor dessen Tür und in dessen Inneren abstrahierte, zusammengeschnürte, marmorne Menschenbündel sichtbar werden, bildet den einer Teil des Mahnmals. Daneben gibt es eine rostfarbene Metalltafel in der Höhe der ehemaligen Synagoge. In sie sind 63 Zeilen gestanzt. Jeweils eine Zeile nennt Datum, Bestimmungsort und Anzahl der Deportierten und zeugt so von der Akribie der Täter. Am Boden davor, dort wo sich einst der Eingang der Synagoge befand, findet man gußeiserne Reliefs mit den Abbildungen der (ehemaligen) Berliner Synagogen Gemeinde- und Vereinsynagogen.

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Alljährlich erinnern Moabiter Antifaschisten am 9. November mit einer Demonstration von hier zum Mahnmal Putlitzstraße an den antisemitischen Terror und die Ermordeten.

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Adresse: Levetzowstraße, 10555 Berlin


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