25
Aug
09

Die Bar zur öffentlichen Bedürfnisanstalt

Hirsebier wird in vielen Teilen Afrikas getrunken. Auch bei den Dagara, die im Nordwesten Ghanas und im angrenzenden Burkina Faso leben.
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Dort brauen ausschließlich Frauen das Getränk, häufig für den Hausgebrauch, aber es haben sich auch an einigen Orten Brauerinnen zusammengeschlossen um ihr Bier in Bars auszuschenken. Diese Bars heißen Discos und werden häufig nach markanten Orten in der Nähe benannt. In Hamile, einem ghanaischen Grenzort zu Burkina, gibt es zahlreiche dieser Diskos. Im islamischen Teil wird das Getränk. – es enthält ja immerhin ca. 3% Alkohol – nur in überdachten Räumen angeboten. Das Bier wird in Tonkrügen verschiedener Größe gereicht. Hirsebier ist im Vergleich zu Flaschengetränken preiswert. Meistens wurde ich zu einem Krug eingeladen. Die guten Sitten ließen es nicht zu, dass ich ablehnte und verlangten außerdem dass ich mich mit der Bestellung eines zweiten Kruges revanchierte. Nun bin ich durchaus trinkfest, aber manchmal wurde mir das dann doch zuviel. Nachdem ich diesen Umstand einmal gegenüber dem katholischen Dorfpfarrer erwähnte, wurde er prompt zum Thema seiner nächsten Sonntagspredigt, woraufhin ich nur noch von Nichtkirchgängern eingeladen wurde.

Das Brauen von Hirsebier ist ein aufwendiger Prozess, der sich über mehrere Tage hin zieht. Es muss innerhalb von wenigen Tagen getrunken werden, da es sonst verdirbt.

Bierbrauen

Nachdem ein georderter Krug den Gästen gebracht wird, kratzt die Brauerin mit einer Scherbe zunächst die Hefe ab, die sich im oberen Bereich abgesetzt hat. Sie wird für den nächsten Braugang wieder verwendet. Danach füllt sie zunächst eine Kalebassenschale für den Besteller und nimmt selbst den ersten Schluck davon. Ein Sicheres Zeichen dafür, dass das Bier nicht vergiftet ist. Erst dann werden die Schalen der anderen Gäste gefüllt. In meiner Lieblingsdisco kann man angenehm unter einer Veranda sitzen, die Brauerinnen sind immer zu einem Scherz aufgelegt. Etwas anderes als Hirsebier ist nicht im Angebot. Diese Bar befindet sich in der Nähe einer öffentlichen Toilette, die vor vielen Jahren im Rahmen eines Hygiene-Entwicklungsprojektes gebaut wurde. Entsprechend heißt sie auch „Banjirra Disco“, was man mit „Bar zur Bedürfnisanstalt“ oder – wie es mein damaliger ghanaischer Professor tat – derber mit „Scheißhaus-Disco“ übersetzen könnte. Da dass Dach der Toilette in der Sonne Hitze speichert, bevölkern in der Abenddämmerung immer zahlreiche wechselwarme Eidechsen diesen Ort. Da es ja an sich harmlose Tiere sind, ignoriert man sie einfach. Das wollte mir allerdings nicht mehr gelingen als einmal eine Eidechse vom Dach fiel – gerade als ich an diesem Ort einem Bedürfnis nachkam. Sie landete im meinem Hemdkragen und rutschte meinen Rücken herunter. Das arme Tier war genauso erschrocken wie ich. Beide versuchten wir durch veitstanz-ähnliche Bewegungen voneinander loszukommen, was schließlich auch gelang.

Ich denke für solche Fälle ist in den Toiletten-Bewertungs-Kategorien des Bewertungsportals Qype der Punkt „nicht sicher“ vorgesehen.

Adresse: Banjirra Disco, Hamile, nahe dem Ortszentrum, Upper West Region, Ghana

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2 Responses to “Die Bar zur öffentlichen Bedürfnisanstalt”


  1. 26. August 2009 um 00:18

    Den Veitstanz versuche ich mir vorzustellen, ehe ich mir erlaube, deinen letzten Satz zu goutieren.

  2. 26. August 2009 um 13:53

    Einblicke in ferne Länder, die man sonst nicht kriegt — fein; auch wenn Du uns die Fotos von den Eidechsen vorenthältst.


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