10
Sep
09

Tage wie dieser

Es ist der erste Herbstmorgen in Berlin. An solchen Tagen überkommt mich ein ganz absonderliches Gefühl. Es steht ganz unerwartet neben mir und sagt, vergiss die Arbeit, scher Dich nicht um die Familie, löse Dich von allen Verpflichtungen, kümmere Dich nicht um Termine. Plötzlich bin ich wieder ein kleiner Schuljunge und zwar einer, der keine Lust auf Schule hat. Den es in die Kneipen zieht, die auch einem wie ihm schon am frühen Vormittag Bier ausschenken. Der dem lieben Gott den Tag stielt und der protestantischen Ethik die Zunge heraus streckt. Der kickert und Billard spielt und wenn er davon genug hat, sich einen Apfel und eine Zeitung klaut und beides beinebaumelnd irgendwo am Hafen konsumiert. Der ausschert aus der Masse. Der sich rekrutieren lässt von der Armee der Eckensteher, Nichtsnutze und Tunichtgute. Nicht einmal duschen und Zähne putzen möchte ich bevor ich mich davon stehle. Früher wäre ich einfach in die nächste Stadt getrampt und hätte dem Schicksal ein Angebot gemacht. Heute schaue ich traurig auf das Gefühl, das neben mit steht und sage: „Ist doch Quatsch!“


3 Responses to “Tage wie dieser”


  1. 10. September 2009 um 16:52

    … und: Jetzt blog‘ ich dich; das hast du dann davon.

    Gut eingefangen.🙂

  2. 10. September 2009 um 20:09

    Mach doch. Hauptsache, Du kommst nach ein paar Tagen wieder.

  3. 3 schattenzwerg
    27. Januar 2011 um 09:55

    eine tolle gefühlsbeschreibung, die du da formuliert hast ! jugendträume … jeder hat sie


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