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Was nicht in den Geschichtsbüchern steht: Die 3. Welt im 2. Weltkrieg

Nur noch wenige Tage gibt es die Möglichkeit die Ausstellung „Die dritte Welt im zweiten Weltkrieg“ anzuschauen. Man kann sie mit zahlreichen Ton- und einigen Filmexponaten in den Uferhallen und in abgespeckter Form in der Werkstatt der Kulturen sehen.

Die Ausstellung, konzipiert von dem Verein Africavenir, dem Verein Recherche International und dem Kölner Journalisten Karl Rössel, hatte im Vorfeld für einige Aufregung gesorgt. Offensichtlich hatte sich Philippa Ebéné eine vollkommen andere Ausstellung vorgestellt. Sie wollte „eine Hommage an die gefallenen POCs (People of Colour), die Deutschland vom Faschismus befreiten.“ Warum es in Vorfeld nicht möglich war, sich darüber zu verständigen, dass es sich hier offenbar um zwei gewaltig voneinander abweichende Konzepte handelte, ist kaum nachvollziehbar. Die Motivation Ebénés erschließt sich aus einem Artikel der Jungle World. Hier findet sich auch ein Interview mit Karl Rössel. Die gegenseitigen Unterstellungen und Vorwürfe der Zensur, des Eurozentrismus, Rassismus und Antisemitismus etc.- gerne auch von dritter Seite – waren so absurd wie schädlich. Haben der Ausstellung aber immerhin reichlich Aufmerksamkeit beschert.

Sicher ist die Ausstellung reichlich textlastig, aber sie ist ein Meilenstein. Erstmalig wird hier ein vergessenes Kapitel der Geschichte thematisiert, die Folgen des Zweiten Weltkrieges für Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika. Eine Fülle von Einzelaspekten der verschiednen Regionen, die das Interesse weckt, sich intensiver damit zu beschäftigen, wird präsentiert. Absolut sehenswert!

Mein Beitrag zu Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg – Ich bin Stroheim – auf Qype


5 Responses to “Was nicht in den Geschichtsbüchern steht: Die 3. Welt im 2. Weltkrieg”


  1. 1 Guy
    24. September 2009 um 22:40

    http://mondoprinte.blogspot.com/2009/09/hat-sich-karl-rossel-von-alan.html

    Der Mann spinnt und schafft etwas was weder Nazis noch Neonazis geschafft haben, und zwar die Araber als die noch grausameren Täter am 3. Reich hinzustellen. Ihm werden nun wahrscheinlich ein Haufen Neonazis und Horst Mahler diesen Unsinn abnehmen.

  2. 2 stroheim
    28. September 2009 um 07:55

    @Guy: Du gehörst offensichtlich zur großen Gruppe der Kritiker, die die Ausstellung nicht gesehen haben, aber sich davon keinesfalls abhalten lassen darauf ein zu dreschen. Es ist absurd den Ausstellungsmachern zu unterstellen, mit der Erwähnung arabischer Kollaborateure wollten sie die Schuld der deutschen Täter relativieren. Es gibt nicht den geringsten Hinweis auf diese Intention und selbst wenn es sie gäbe, würde sie wohl kaum bei Neonazis auf Gehör stoßen. Die leugnen zwar mitunter die Shoa, sind aber im Großen und Ganzen stolz auf die Taten ihrer Großeltern…

  3. 3 Guy
    3. Oktober 2009 um 12:02

    Ich hatte die Ausstellung im Wedding gesehen und fand es schrecklich. Nichts mit heroischen, afrikanischen Soldaten, die ihr Leben für die Freiheit der Welt geopfert haben aber viel über Kollaboration des Muftis.
    Die Ausstellung ist eine Recherche von drei Minuten: Während des zweiten Weltkriegs gab es überhaupt noch keine erste, keine zweite und auch keine dritte Welt. Aus, Bums, Schluss.
    Derzeit versuchen anti-deutsche Fanatiker wie Rössel zu beweisen dass es in Arabischen Ländern eine Kontinuität gab in Sachen Anti-Semitismus und das ist Bulls***.

    Wie Gaddhaffi so schön während seiner Marathonrede sagte: „Europäer haben den Holocaust auf dem Gewissen, und nicht die Palästinenser“. Die Deutschen haben 70% einer Bevölkerungsgruppe in Namibia vor dem 2. Weltkrieg systematisch in Konzentrationslagern umgebracht, samt medizinischen Experimenten. Das ist die wahre geschichtliche Kontinuität die im Holocaust kulminierte – damit hatten die Palästinenser nichts zu tun.

    Stroheim ich weiss nicht warum du annimmst dass es bei Neonazis nicht auf Gehör stossen wird. Sobald die Deutschen eine andere Gruppe mit der Schuld am Holocaust belasten können, werden sich nicht nur Neonazis freuen sondern viele Deutsche die einfach keine Lust mehr haben weiter Reparationen an Israel zu leisten.

  4. 5. Oktober 2009 um 09:10

    „Aus, Bums, Schluss.“ ist eine überzeugende Argumentationsweise. Wendest Du sie an, weil Dir stichhaltiges und logisches Diskutieren fern liegen? Ich weiß nicht, was Du über Neonazis weißt, aber es sind kaum welche darunter, die das Bedürfnis haben, die Schuld für die Ermordung von 6 Millionen Juden an jemand anders als die Deutschen abzugeben.
    Welches Bedürfnis nun aber gerade ein „anti-deutscher“ Ausstellungsmacher haben sollte, die Deutschen von der historischen Verantwortung für die Shoa zu entbinden, entzieht sich völlig meinem Verständnis.
    Undurchdachtes Geplapper wie das Deine schadet nicht nur dem Angedenken an die Menschen, deren Verdienst in der Ausstellung eben auch gewürdigt wurde, sie schaden auch Philippa Ebènè, die in dieser Diskussion eine weitaus differenzierte und für mich gut nachvollziehbare Haltung eingenommen hat.

  5. 5 stroheim
    5. Oktober 2009 um 16:13

    @Guy: Wenn Du die Ausstellung tatsächlich gesehen hast, dann musst Du doch auch wahrgenommen haben, dass sich nur drei Tafeln mit der arabischen Welt beschäftigten. Bei zweien ging es um die Kollaboration von Arabern mit Nazideutschland. Die dritte Tafel beschäftigte sich mit arabischen Rettern, die z.B. jüdische Verfolgte versteckten.

    Dass es Kollaborateure verschiedener Nationalität gab, ändert doch nichts daran, dass die Verantwortung für die Shoa bei den Deutschen liegt. Aber darüber hinaus gab es eben auch Akteure andere Provenienz, die sich schuldig gemacht haben. Einer von Ihnen war sicherlich Hadsch Amin al Husseini, Mufti von Jerusalem. Bereits 1937 hatte er dazu aufgerufen, muslimische Länder „judenfrei“ zu machen. Von 1941 bis 1945 lebte er in Berlin, pflegte freundschaftlichen Umgang mit Hitler und gründete eine muslimisch-bosnische SS-Division. Das sind historisch belegte Tatsachen und dadurch, dass ich sie ausspreche, relativiere ich nicht im Geringsten die Taten der deutschen Freunde dieses Kollaborateurs.

    Bei den Verbrechen der Deutschen gegen die Hereros im heutigen Namibia zu Beginn des letzten Jahrhunderts handelt es sich um ein Thema, dass mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Es ist sicherlich Konsens, dass keine Palästinenser damit zu tun hatten, Daher verstehe ich nicht, warum Du es in diesem Zusammenhang anführst.

    In der Ausstellung sehr wohl, die „heroischen, afrikanischen Soldaten, die ihr Leben für die Freiheit der Welt geopfert haben“ thematisiert. Aber eben auch, dass sie zum Teil unter Zwang in den Krieg geschickt wurden. Britische und Französische Armeen waren eben nicht nur Befreier Nazideutschlands, sondern gleichzeitig auch koloniale Unterdrücker in z.B. weiter Teile Afrikas. Diese mehrdimensionale Darstellung gelingt der Ausstellung recht gut. Eine solche Mehrdimensionalität täte auch Deiner Sichtweise ganz gut.


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