13
Nov
09

Staatspropaganda am Deutschen Historischen Museum

Seit Mitte Oktober kann man sich im Deutschen Historischen Museum (DHM) die Ausstellung „Fremde? Bilder von den `Anderen´ in Deutschland und Frankreich seit 1871“ ansehen. Ein deutsch-französisches Kuratorenteam hat die Schau gestaltet, die vorher bereits im Pariser Migrationsmuseum zu sehen war. Im letzten Teil geht es um den Umgang der EU mit Flüchtlingen. Nach Informationen der Zeit sollte ursprünglich auf der Texttafel 158 stehen: „Während innerhalb Europas die Grenzen verschwinden, schottet sich die EU zunehmend nach außen ab. Die `Festung Europa´ soll Flüchtlingen verschlossen bleiben.“ Angeblich auf Drängen des Kulturstaatsministers Bernd Neumann wurde der Text wie folgt geändert: „Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fördert staatlicherseits die Integration von Zuwanderern in Deutschland.“

Jochen Oltmer, Historiker am Institut für Migrationsforschung der Universität Osnabrück und einer der drei wissenschaftlichen Beiräte der Ausstellung spricht von Zensur. Der DHM-Direktor Hans Obermeyer erklärt in einer Pressemitteilung, dass er wie üblich dem zuständigen BKM-Referat die Ausstellungstexte zur Verfügung gestellt habe. Es habe „berechtigte Rückfragen“ dieses Referates bezüglich des oben zitierten Textes gegeben. Das habe Obermeyer zum Anlass genommen, „in eigener Verantwortung Modifizierungen vorzunehmen.“ Eine politische Einflussnahme oder gar Zensur hätte es nicht gegeben. Der Tagesspiegel berichtet, dass ihm gegenüber Mitarbeiter des Museums bestätigt hätten, dass Neumanns Apparat Druck ausgeübt habe, auch wenn die offizielle Version anders laute.

Wie dem auch sei, ausgerechnet zum 20. Jahrestag den Mauerfalls, wo überall an die Überwindung eines dirigistischen Systems erinnert wird, sind peinliche Parallelen nicht von der Hand zu weisen. In der DDR residierte das Museum für Deutsche Geschichte im Berliner Zeughaus. Es wurde direkt vom Zentralkomitee der SED kontrolliert. Nach der Wiedervereinigung zog an diesen Ort das DHM. Es sollte sich jeglicher Einmischung des Staates entziehen. Freiheit der Wissenschaft, Meinungspluralität und Zivilcourage sind wohl eher für Jubiläumsreden geeignet und nicht so sehr als Maxime des Umganges eines Ministeriums mit einer autonomen Bildungseinrichtung. Schade, eigentlich.


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