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Mai
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Ein Zug will erinnern. Die Bahn will es nicht.

Der „Zug der Erinnerung“ ist wieder in Berlin. Nach den Stationen in Berlin-Grunewald und Spandau steht er nun in Berlin-Schöneweide. Dort hat die Bürgermeisterin von Treptow-Köpenick eine Einladung ausgesprochen. Das Bezirksarchiv beteiligt sich an der Spurensuche nach den Deportierten, das Schulamt wirbt um den Besuch von Jugendlichen. Schöneweide ist die vorletzte Berliner Station. Zum Fahrtabschluss in der Bundeshauptstadt wird der Zug im zentralen Bahnhof Friedrichstraße (Mitte) stehen.

Der „Zug der Erinnerung“ gedenkt der Kinder und Jugendlichen, die während der Nazizeit mit der Deutschen Reichsbahn in Konzentrationslager transportiert wurden. Das staatliche Bahnunternehmen verschleppte etwa 3 Millionen Menschen, darunter eine Million Kinder und Jugendliche. „Wir wollten nicht das Grauen der Deportationen zeigen, die Leichen. Sondern die Hoffnung der Kinder auf Leben“, sagt Hans-Rüdiger Minow, Vorsitzender des Vereins „Zug der Erinnerung“. In knappen Biografien bekommen die Gesichter einen Namen und eine Geschichte. Sie endet beinahe immer tödlich: in Auschwitz, Treblinka, Theresienstadt und anderen Konzentrations- und Vernichtungslagern. Nur Wenige haben das Grauen überlebt. Die Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn, die Bundesbahn und nach 1993 Deutsche Bahn sperrt sich gegen Gespräche mit den Überlebenden Auch ein Schreiben ehemaliger Deportierter an Verkehrsminister Ramsauer (CDU) ist seit November letzten Jahres unbeantwortet. Umgerechnet 445 Millionen Euro soll die Reichsbahn bis 1945 mit dem Transport in die Konzentrationslager verdient haben. Geld, das die SS den Deportierten abgenommen und pauschal pro Person und Kilometer an die Bahn weitergereicht habe. Die Deutsche Bahn berechnet dem „Zug der Erinnerung“ rund 1000 Euro für jeden Tag, an dem die Initiative die Gleise nutzt. Er wird behandelt wie irgendein Gütertransport. Schon 2008 hatte die Deutsche Bahn mit Hinweis auf die betrieblichen Abläufe immer wieder die Einfahrt des Zuges an großen Bahnhöfen Berlins verwehrt oder verzögert.

Möglicherweise hängt es damit zusammen, dass in einem Waggon auch die Geschichte der Täter erzählt wird, die häufig ihre Karrieren nach der Befreiung nahtlos fortsetzen konnten.

Schöneweide: Montag, 17. Mai bis Mittwoch, 19. Mai
jeweils 8:30 Uhr bis 19:00 Uhr
Friedrichstraße, Gleis 2: Donnerstag, 20. Mai bis Freitag, 21. Mai
jeweils 8:30 Uhr bis 19:00 Uhr
http://www.zug-der-erinnerung.eu/


5 Responses to “Ein Zug will erinnern. Die Bahn will es nicht.”


  1. 1 oachkatz
    17. Mai 2010 um 21:59

    Kurz, knapp und eindringlich. Wenn ich die Bahn wäre, würde ich auch verdrängen wollen.

  2. 2 joulupukki
    18. Mai 2010 um 14:27

    Die Bahn mag in ihrer eigenen Krise stecken, aber dass sie für die Nutzung der Gleise durch diese Initiative auch noch verrechnet, ist für mich unverständlich.

  3. 20. Mai 2010 um 05:44

    Die Rechtsnachfolger der Unrechtsbehörden sind mitunter genau so schlimm wie die eigentlichen Täter.Augen zu und durch – so liest sich der Fahrplan der Bahn. Mehdorn, Grube & Co … eine knallharte und skrupellose Managergeneration.


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