10
Nov
09

Häuptling Eigener Herd – Die Vierzigste

Jetzt ist die 40. Ausgabe erschienen. Sie trägt den Titel „Frankenstein“. Kulinarisch fällt einem dazu spontan Einiges ein. Aber der „Häuptling Eigener Herd“ wäre nicht er selbst, wenn den Autoren nicht noch ein wenig mehr einfiele. Rolf Cantzen und Bodo Dringenberg werfen einen bestens recherchierten Blick in die Kochtöpfe der Kannibalen, Thomas Vilgris setzt sich mit dem medialen Hype um den Analogkäse auseinander, der Restaurantkritiker Jörg Zipprick erinnert wehmütig an den Film „Brust oder Keule“ von Louis den Funès und lässt die Molekularküche alt aussehen. Aber auch Schaumschläger wie der „FAZ-Großkritiker“ Jürgen Dollase, der seine Leser mit Begriffen wie „Texturerwartung“, „Ressentiment-Küche“ oder „Subtilitätsgewinn“ malträtiert, bekommen ihr Fett weg. Vincent Klink steuert „eines der wichtigsten Rezepte des Abendlandes“ bei, um nur einige Beiträge zu erwähnen. Das Ganze ist diesmal mit Zeichnungen von Rattelschneck illustriert.

Häuptling

Vergaß ich zu erwähnen, dass der „Häuptling Eigener Herd“ die von Sterne- und Fernsehkoch Vincent Klink (Restaurant Wielandshöhe) und Satiriker Wiglaf Droste gemeinsam herausgegebene, etwas andere literaturkulinarische Zeitschrift ist? Sie erscheint „so vierteljährlich wie möglich“. Wesentlicher Auslöser für ihr Auftauchen in der Welt vor zehn Jahren war, dass man Klink, als einem Herausgeber des Kulinarischen Almanachs bei Klett-Cotta, still und heimlich, ohne Rücksprache ein Gedicht entfernt hatte. Seitdem tanzt der Häuptling unter dem Motto „Wir schnallen den Gürtel weiter“ auf dem dünnen Seil zwischen Geschmack und Geschmacklosigkeit. Jedes Heft ist einem speziellen Thema gewidmet und wird jeweils durchgehend von wechselnden Zeichnern bebildert. Die „kulinarische Kampfschrift“ kostet im Abo für 4 Ausgaben 54.- Euro, das Einzelheft 14,90. Ich lasse mir jedes Jahr ein Abo zu Weihnachten schenken. Wenn die Post dann eine Ausgabe bringt, lese ich sie mehr oder weniger am Stück durch. Das „Lebensmittel für Hirn und Wanst“ ist das Geschenk für Jeden, der sich für Genuss und Literatur begeistern kann. Mehr Geschenktipps sind von mir bis Weihnachten nicht zu erwarten!

Alte Weinsteige 71, c/o Edition Vincent Klink GmbH, 70597 Stuttgart
www.haeuptling-eigener-herd.de

Einzel- und Abo-Bestellungen:
BuchGourmet, Herrn Dieter K. Eckel, Hohenzollernring 16 – 18, 50672 Köln

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30
Okt
09

Max und Moritz ohne Tücke

Geschäftspartner aus diversen asiatischen und europäischen Ländern wollten zum Abendessen ausgeführt werden. Etwas traditionell Berlinerisches sollte es sein. Gar nicht so leicht zu finden, denn wenn irgendwo Alt-Berliner Kneipe dran steht, fühle ich mich zunächstmal abgestoßen. Dann wird meist der alte Zille missbraucht, es mieft nach Berliner Luft, Luft, Luft und die olle Hungerkralle will sich Touristen grapschen, die nicht schnell genug Reißaus nehmen können, die morgen eh wieder weg sind, die nicht wieder kommen brauchen. Täglich schleusen Flieger, Busse und Bahnen neue Opfer in die Hauptstadt.

Das Max & Moritz hebt sich positiv ab. Zwanzig Plätze waren unkompliziert per Telefon reserviert. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass weder EC- noch Kreditkarten akzeptiert werden. Auf meinen Einwand, dass ich ungern mit dicken Geldbündeln in der Tasche durch die Gegend liefe, hieß es, ich solle einfach eine professionell gestaltete Visitenkarte mitbringen, das würde auch reichen, um das Konsumierte per Rechnung zu begleichen. Dass sich jetzt aber niemand auf mich beruft und versucht Ähnliches einzufordern.

Das Kreuzberger Wirtshaus macht nicht bemüht auf traditionell, zahlreiche Details der Innenarchitektur und des Mobiliars lassen die über 100-jährige Geschichte einfach nicht leugnen. Im Jahre 1902 eröffnete Felix Fournier das Wirtshaus am 70. Geburtstag Wilhelm Buschs. Der war mit der Namenswahl einverstanden, stellte aber als Bedingung, dass einmal in der Woche Erbsensuppe an die arme Bevölkerung ausgegeben würde. In den 20er Jahren entwickelte sich das Max & Moritz zum Vergnügungslokal mit 400 Sitzplätzen in zwei Speisesälen, mit Stehbierhalle und Likörtresen. Tatsächlich verkehrten sowohl Heinrich Zille, als auch Paul Lincke – der Komponist der „Berliner Luft“ – hier. Damals wurde das gesamte Haus genutzt. In der zweiten Etage befand sich der Küchentrakt, die dritte Etage war Schlachterei, in der vierten Etage war die Räucherei untergebracht und im Hinterhaus wohnte das Personal. Zum Mittagessen fuhren betuchte Gäste aus dem nahen Zeitungsviertel vor, abends traf sich der Gesangsverein „Typografie“ der Reichsdruckerei, die Arbeiterparteien hielten Versammlungen ab, aber auch die Deutsche Sozialwissenschaftliche Gesellschaft kam hier zusammen.

Michael Kuhlmann, der zusammen mit Chefkoch David Ryan den Laden seit 2006 leitet, erzählt, dass Felix Fournier als Jude zu Beginn der Nazizeit das Wirtshaus einer älteren Stammkundin überschrieb. Die versteckte ihn bis zur Befreiung in einer Gartenlaube, anschließend habe er das Lokal weiter betrieben. Es folgten mehrere Besitzerwechsel. In den 70ern sollten die Räume als Möbellager genutzt werden. Das Mobiliar war schon in den Keller ausgelagert als ein badischer Theologe das Potential der Räume erkannte und das Max & Moritz mit viel Liebe zum Detail wieder her richtete. Der Laden wurde zum Kreuzberger Szenelokal, zeitweise kollektiv geführt. Am 5. Oktober 1978 wurde im großen Saal die Alternative Liste gegründet. Gründungsmitglieder waren u.a. Wolfgang Wieland und Hans-Christian Ströbele. In den 90ern begann die Wohnungsbaugesellschaft Bewoge mit der Totalsanierung des Hauses. Das Lokal musste für mehrere Jahre schließen und wurde erst 2001 von neuen Betreibern wiedereröffnet.

Das Gasthaus ist heute dreigeteilt. Die ehemalige “Stehbierhalle” und das “Likörbuffet mit Brötchenschrank für kalte Speisen” bieten Platz für das eigentliche Restaurant. Im Obergeschoß gibt es einen kleinen Saal mit beeindruckenden Glasmalereien. Es gibt hier eine niedliche Bühne mit Schminkraum, eine Bibliothek und eine kleine Bar. Im hinteren Teil des Erdgeschosses findet man den gerade renovierten Ballsaal. Seine Jugendstil-Oberlichter schaffen ein ganz eigenes Ambiente.

Man bietet traditionelle Berliner Küche, schränkt aber auf der Karte auch gleich ein: „Der Ausdruck `Berliner Küche´ ist eigentlich falsch. Der Ursprungsort der wenigsten`Berliner´ Gerichte ist Berlin. Berlinisch ist die spezielle Art die Dinge zu nehmen, der `Pfiff´, so wie die landlosen Bauern und Handwerker, die aus der Niederlausitz, aus Schlesien und dem Oderbruch am Görlitzer- oder am Schlesischen Bahnhof ankamen, mit der in rasender Eile entstehenden Großstadt fertig werden mußten. Aus ihrer Heimat brachten Sie auch ihre Eßgewohnheiten mit und im Schmelztiegel der Arbeitervorstädte entstand dieses speziell `Berlinische´, dort ist es auch heute noch zu Hause.“ Dass die Berliner Kultur eine der Zugezogenen ist, ist sicherlich wahr, macht die ganze Chose aber etwas beliebig, so dass auch Westfälische Mettenden mit süß-sauren Brechbohnen, Rheinischer Sauerbraten und sogar süßer Flammkuchen mit Äpfeln, Rosinen, Zimt und Calvados, am Tisch flambiert, im Angebot sind. Insgesamt bietet die Karte aber eine überschaubare Anzahl von klassischen, Hausmannkost-Gerichten, ergänzt durch eine den Jahreszeiten angepasste Tageskarte. Man schmeckt, dass frische und hochwertige Zutaten verwendet werden.

Das war allerdings meinen Gästen zunächst reichlich egal. Japaner und Chinesen bestellten sich Schlachteplatten oder Eisbein und zückten beim Servieren ihre Handykameras, denn von solchen barbarischen Fleischbergen waren sie fasziniert. Mein Rindersteak war zwar ein klein wenig länger gebraten als ich geordert hatte, aber immerhin machte mich die Kellnerin darauf aufmerksam und bot mir an, ein neues zu bringen, falls ich es wünschte.

Überhaupt die Kellnerin. Sie beeindruckte nicht nur durch ihr fließendes Englisch, sondern auch dadurch, dass sie sich Getränke- und Speisebestellungen (mit einigen Extras) – scheinbar problemlos – im Kopf merken konnte. Für meinen indischen Tischnachbarn kam das einem Zaubertrick gleich. Auf Nachfrage erfuhr er, dass sie als bildende Künstlerin eben ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen hätte, sich Gesichter merken und außerdem rechnen könne.

Obwohl alle reichlich den fünf Biersorten vom Fass oder der kleinen, aber ordentlichen Weinauswahl zusprachen und ein Teil der Gäste den Abend mit mehreren Runden Jägermeister abschließen zu müssen glaubte, kam eine erstaunlich niedrige Rechnung zusammen, die alles in allem bei nicht mehr als 25 Euro pro Person lag.

Da erlaubte ich mir, als alle auf den Heimweg gebracht waren, noch ein Glas badischen Dornfelder an der Theke zu genießen und beschoss, hier öfter einzukehren.

Mein Beitrag zu Max und Moritz – Ich bin Stroheim – auf Qype

27
Okt
09

Eine feine Bäckerei

Die Feinbäckerei hat etwas Märchenhaftes an sich. An der eher unwirtlichen Suermondtstraße gelegen, leuchtet sie besonders an grauen Herbst- und Wintertagen und verspricht Wärme und Süße und Wohlgeschmack und ein kleines Stück vom Glück dieser Welt. Hier gibt es noch eine Backstube und nicht nur Aufbacköfen. Hier stellt der Bäckermeister seine Zutaten noch selbst zusammen und verzichtet auf Fertigbackmischungen. Das Angebot ist überschaubar. Geht es auf den Abend zu, ist es manchmal auf wenige Restexemplare reduziert. Der Meister hat wohl zu viel Respekt vor seinen Produkten um für die Tonne zu backen. Dafür experimentiert er gerne und bietet auch Mal Löwenzahn- und Hagebuttenblüten-Brötchen an. Seine herzhaften Bötchen, bei denen er ansonsten beispielsweise Zwiebeln oder Speck oder Sauerkraut in den Teig knetet, sind einer der Höhepunkte. Aber auch seine Blechkuchen oder süßen Backteilchen sind eine Offenbarung.

Der kleine Verkaufsraum könnte auch vor etlichen Jahrzehnten bereits genauso ausgesehen haben. Die Ehefrau des Bäckers steht hinter dem Tresen und kommt mit ihrer nicht antrainierten sondern wesenseigenen Freundlichkeit mit Jedem ins Gespräch. Da muss man dann auch manchmal ein wenig warten bis man dran ist. Die erste Begegnung mit der Feinbäckerei hatte ich als ich – anlässlich der Geburt meiner jüngsten Tochter – Kuchen für meine Kollegen kaufen wollte. Es war gegen zehn Uhr vormittags. „Ja, soviel haben wir ja gar nicht mehr da“ seufzte die Bäckersfrau, „ach sagen Sie einfach was Sie wollen!“ Danach rief sie nach hinten in die Backstube: „Emil, Du musst noch Mal neuen Kuchen backen!“ Natürlich entließ sie mich nicht ohne nach dem Grund des Großeinkaufs zu fragen: „Haben Sie Geburtstag?“ „Nein, ich bin Vater geworden.“ „Herzlichen Glückwunsch, ich hatte auch so einen Nachzügler!“ „So alt sehe ich dann doch auch wieder nicht aus“, dachte ich. „Ja, bei meinem jüngsten Sohn war ich auch schon über dreißig. Genießen sie es!“ Damit war der Mittvierziger wieder versöhnt. Ich konnte den Kuchen dann samt Blechen zwei Stunden später abholen und damit die Kollegen begeistern.

Feinbäckerei
Suermondtstr. 64
13053 Berlin

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16
Okt
09

Kulinarische Reflexionen zum Herbst

Angst macht mir vor allem die Zeit um Halloween, da bin ich richtig empfindsam. Halloween ist übrigens weder eine Erfindung der Amerikaner noch der Kostümhersteller, sondern ursprünglich eine keltische Angelegenheit, die mit den großen irischen Auswanderungswellen in die USA gelangte. Nach Deutschland kam es über die Amerikaner und die Kostümhersteller. Angst machen mir übrigens (in erster Linie) nicht die hysterischen Übereltern, die sich in ihren kleinen, weltabgewandten Grüppchen, auf Kitastühle gequetscht, in von Kinderpups geschwängerter Luft darauf verständigen, dass selbstverständlich keines ihrer Kinder eine irgendwie angsteinflößende Verkleidung anlegen dürfe. So müssen sich die lieben Kleinen als pastellfarbene Feen, Blumen oder Kürbisse lächerlich machen.

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Und damit bin ich bei der Ursache meiner Angst angelangt: dem Kürbis. Ausgehöhlt und mit einer dreckigen Fratze versehen, ist er ganz nett anzuschauen. Blöd nur, dass es weit verbreitete Hemmungen gibt, den Inhalt, das Kürbisfleisch in den von Gott dafür vorgesehenen Ort zu befördern: die Mülltonne. Alle Welt meint, man müsse dieses Zeug irgendwie verwerten und so bekommt man allüberall Kürbissuppe, Kürbiskuchen und Kürbismarmelade angeboten. Allein, noch nie habe ich erlebt, dass ein Gericht mit Kürbis drin einigermaßen essbar war. Bei uns zuhause läuft das immer so ab, dass eine Unmenge edler Zutaten (Ingwerwurzel, Steirisches Kürbiskernöl, frisch gepresster Orangensaft, frischer Koriander, Vanilleschoten usw.) in der Hoffnung besorgt werden, ihr Zusatz könne in Verbindung mit aufwendigsten Zubereitungsprozeduren das – im günstigsten Fall vollkommen geschmacklose – Kürbismark in eine essbare Speise verwandeln. Hat leider noch nie geklappt. Regelmäßig bleiben gigantische Mengen übrig. Die darf man dann aber natürlich – eingedenk der teuren Zutaten und der zeitraubenden Kocherei – nicht wegschmeißen. Auf die Schnelle fallen mir auch nicht genügend Mitmenschen ein, die ich nicht so richtig gern mag und mit dem Zeug beglücken könnte. So verstopft der Kürbisfraß dann bis zum nächsten Stromausfall ungefähr zwei Drittel unseres Gefrierschrankes.

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Mein Tipp: In diesem Herbst statt des vermaledeiten Kürbisses mal etwas ganz Neues ausprobieren! Wer mag Meerschweinchen? Wer hat sich schon einmal an der Zubereitung von Meerschweinchen versucht? In den Anden, vor allem in Peru wandern jährlich etwa 22 Millionen von ihnen in den Kochtopf. In der Kathedrale von Cuzco soll es eine ganz hinreißende Darstellung des Abendmahls geben. Sie zeigt einen Jesus, der offenbar kurz davor ist, ein gebratenes Meerschweinchen zu verspeisen. Wer das abstoßend findet, sollte sich Gedanken über kulturellen Relativismus und den Sinn und Unsinn von Nahrungsmitteltabus machen. Auch kleine Schweinchen, Kälbchen oder Zicklein sind kuschelig, darüber hinaus aber in unserer Kultur als außerordentlich schmackhaft geschätzt. Mann kann ja eine Ausnahme machen und die Kinder im Vorfeld mit dem Essen spielen lassen. Zu diesem Thema existiert ein wunderbarer Text des BBC-Fernsehkochs Stefan Gates, aus seinem Buch „Der Gastronaut. Kulinarische Abenteuer für Romantiker, Tollkühne und Unverzagte“. Meine Frau ist der Ansicht, er sei so geschmacklos und so (holzhammer-)mäßig komisch, dass sie schon erwartet habe, dass es meinen Geschmack trifft. Ich habe das in der Kategorie Komplimente abgelegt.

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Ich zitiere: „Das Schlachten heiß geliebter Haustiere ist eine heikle Angelegenheit, ich weiß. Daher möchte ich gleich zu Anfang klarstellen: Irgendetwas müssen wir immer opfern. (…) Dennoch muss man gerechterweise zur Vorsicht mahnen: Bevor wir in den Garten laufen und aufs Geratewohl mit dem Speer herumfuchteln, sollten wir uns vor Augen führen, dass auch Kinder Gefühle haben. Das Ganze wäre eine gute Gelegenheit, sie Blut lecken zu lassen. Man frage sich: Sollte man ihnen diese Chance wirklich vorenthalten?

Andererseits könnten Kinder mit schwachen Nerven über den Verlust eines geliebten Tieres außer Fassung geraten, weshalb ich dringend um etwas Zartgefühl bitten möchte: Zwischen dem Schlachten des Haustieres und dem Servieren im Familienkreis sollte mindestens eine Stunde vergehen. Lautes Jammern bei Tisch ist schlichtweg unerträglich. Mit leisem Dauerschluchzen kann ich mich eher abfinden. Nach dem Essen ist vielleicht der Moment für eine weitere Erziehungsmaßnahme gekommen: Man könnte seinem Nachwuchs beibringen, welches Vergnügen es bereitet, Kummer in Schnaps zu ertränken. Man muss ja nicht gerade den edelsten Tropfen kredenzen – vor Erreichen der Pubertät schmeckt ohnehin alles gleich.“

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen und neugierig geworden ist, dem lasse ich gerne ein Meerschwein-Rezept zukommen. Vorsicht: In einigen Tierhandlungen könne man auf Ressentiments stoßen. Besser man lässt den Verwendungszweck der zu erstehenden Lebensmittel im Dunkeln.

Ich wünsche einen spannenden Herbst und allseits Guten Appetit!

14
Okt
09

Pimp my toilet – Qype und null null 00 auf Hygiene-Mission

Irgendwie ist es still geworden um die Hygiene-Mission für saubere Toiletten in Deutschland von null-null-00 und von Qype. Die saubersten Restauranttoiletten werden mit einem WC Frische-Siegel ausgezeichnet. „Aus den als besonders schmutzig bewerteten Toiletten werden Toiletten ausgewählt, denen 00 null null ein komplettes Makeover gönnt“, heißt es auf der website. Ganz im Zeichen des „User generated contents“ möchte ich meinen Teil dazu beitragen, dass diese ganze Geschichte nicht das Kanalisation runter geht und steuere meine Vorschläge bei, wie man siffige, unappetitliche Toiletten aufwerten könnte.

Natürlich kann ein Restaurant, dass von der Mission zur Klo-Erneuerung ins Visier genommen wurde jetzt nicht einfach schließen, während das Klo auf Vordermann gebracht wird. Aber die üblichen Dixi-Klos sind nun wirklich vollkommen unakzeptabel. Allenfalls könnte die jüngste Qype-Zielgruppe Spaß daran finden, wenn sich Qype-Mitarbeiter in Jack-Ass-Manier darin einsperren lassen, während die gefüllte Toilette auf den Kopf gestellt wird. Aber werden sich dafür Freiwillige finden? Nein, für den Übergang braucht man ein exklusives Provisorium. Zum Glück hat sich unter dem einfallsreichen Namen “exklosiv“ ein entsprechender Anbieter formiert.

Schwarzes Toilettenpapier motzt jedes Klo auf. Für Biker-Kneipen empfiehlt sich eine Waschbeckenarmatur in der Form eines Motorradtanks . Gibt es im Moment sogar reduziert. Ich persönlich würde ja auch noch diese Bänkchen aus Japan empfehlen, das es Männern erleichtert zu knien, wenn sie sich erleichtern. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es möglicherweise Rückspritzer gibt, die im Gesicht des Urinierenden landen. Müsst ihr noch ausprobieren. Praktischer und trotzdem ästhetisch überaus ansprechend sind sicher Urinale in Blütenform.

Wenn man sich traut einen etwaigen Konflikt mit Tierschutzfanatikern durch zu stehen, kann man auch mit einer Kombination aus Spülkasten und Aquarium protzen. Leider habe ich keine Vorstellung von der Höhe des Budgets. Wenn nicht so aufs Geld geschaut werden muss, empfehle ich eine Toilette, die einseitig verspiegelt ist, so dass man von Drinnen nach Draußen sehen kann, aber eben nicht umgekehrt.

Falls sich nur Imbisswagen mit begrenztem Raumangebot bereit finden, sich missionieren zu lassen, solltet Ihr unbedingt diese platzsparende Variante ins Auge fassen:

Wichtig ist auf alle Fälle, das richtige Label an die Tür zu kleben. Eine große Auswahl gibt es hier.

Lieder nicht mehr lieferbar ist dieses Toilettenkostüm . Vielleicht kann es aber Irgendwer nachbasteln. Dann könntet Ihr die Wirkung der Kampagne dadurch potenzieren, dass alle Qype-Mitarbeiter für die Laufzeit verbindlich verpflichtet werden während ihrer Arbeitszeit ein entsprechendes Kostüm zu tragen. Möglicherweise könnte man sogar eine Live-Webcam installieren, damit wir Euch jederzeit im Netz sehen können und so motiviert werden unseren Teil zum Gelingen der Klo-Kampagne beizutragen.

Was ich ja wohl hiermit getan habe. Ich verlange keine große Belohnung. Mit einer Tüte Gummibärchen wäre ich zufrieden. Aber Finger waschen vor dem Einpacken nicht vergessen!

14
Okt
09

Incontro Catering

Wenn ein Unternehmen wächst, dann ändern sich zwangsläufig auch liebgewordene Rituale. Plötzlich waren wir zu Viele. Es funktionierte nicht mehr, dass die Mitarbeiter sich am Abend vor jedem Kollegengeburtstag in die Küche stellten um Köstlichkeiten zu zaubern, die sie am nächsten Morgen zu Ehren des Betroffnen bei einem gemeinsamen Frühstück auftischten. Die Erkenntnis setzte sich durch: Manches gehört besser outgesourct. Ein Caterer musste her. Es folgten einige unglückliche Versuche (zu teuer, zu lieblos, zu wenig, zu servicewüstenorientiert), bevor ich mich an Incontro erinnerte, dem Hauscaterer einer befreundeten PR-Agentur. Vermutlich ist es nicht klug, diese Adresse weiter zu geben, denn auch jetzt schon bekomme ich manches Mal auf meine monatliche Anfrage eine Absage wegen Kapazitätsproblemen und muss auf einen anderen Anbieter ausweichen.

Unter den Kollegen gibt es zwei Fraktionen. Der einen ist Incontro zu sophisticated. Ihre Vorstellung eines gelungen Frühstücks geht über Hackepeter und Nutella nicht hinaus. Die andere Fraktion liebt Incontro. Vor anderthalb Jahren hatte Incontro eine Phase, in der – nach meinem Geschmack – alles ein wenig zu sehr von Balsamico-Creme und Basilikum-Pesto dominiert war. Haben sie aber überwunden. Ich bestelle zum Frühstück in der Regel Fingerfood. Pro Person zahle ich so 12.- Euro, ohne Getränke, aber mit Lieferung, Aufbau und Abholung des Geschirrs.

Dafür gibt es zum einen belegte Mini-Panini, z.B. mit…

- Spanischem Serranoschinken auf einer Honig-Dijonsenf-Creme, Honigmelone, gerösteten Mandeln und Kräutern
- Französischem Ziegenkäse, saftigen Feigen und gehackten Pistazien
- Gegrilltem Gemüse auf Petersilien-Erdnußpesto, Parmesan und gerösteten Sonnenblumenkernen
- Hähnchen-Orangensalat mit geröstetem Sesam
- Spanischer Chorizo auf einer pikanten Schafskäse-Paprikapaste, frischen Tomaten, Mozzarella und Kräutern

…und außerdem beispielsweise, je nach Jahreszeit:

- Mit Paranüssen gefüllte Datteln, mit Bacon umhüllt und im Ofen gebacken
- Mit Himbeersirup karamellisierte frische Feigen auf Schweinefilet im Serranomantel
- Hackfleischbällchen mit Mandeln, Chili, Limettenschale, Datteln und verschiedenen Gewürzen auf einer Paprikacreme
- Spieße von marinierten, gebratenen Garnelen mit einem Dipp aus Avocado, Orange, Koriander und Wasabi
- Herzhafte Zucchinitaler mit magerem Schinkenspeck, Creme fraiche, Muskat und frischem Thymian
- Hähnchenunterschenkelkeulchen pikant-süß mariniert und im Ofen mit frischem Thymian und Honig gebacken
- Crepetütchen mit Basilikumcreme, französischem Ziegenkäse und Orangen gefüllt
- Gebackene Süßkartoffeln mit Schafskäse, Frühlingszwiebeln, Sonnenblumenkernen und frischem Basilikum im Strudelteig
- Griechischer Sahneyoghurt mit Honig und Zitrone auf frischem Ost und gerösteten Mandeln
usw.

Die Homepage von Incontro ist hoffnungslos veraltet. Die Inhaberin, Barbara Wendorff hat den dort erwähnten Laden schon lange aufgegeben und sich aufs Catering konzentriert.

Obwohl sie ziemlich viel zu tun hat, habe ich noch nie länger als eine halbe Stunde auf ihren Rückruf gewartet nachdem ich auf ihre Mailbox gesprochen hatte.

Incontro Catering
Inhaberin Barbara Wendorff
Heinersdorfer Str. 4-6
13086 Berlin
Tel: 030/ 44357618
Mail: incontro@gmx.de
www.berlincontro.de (veraltet)

Mein Beitrag zu Incontro Catering – Ich bin Stroheim – auf Qype

28
Sep
09

Kinder erschrecken mit Ritter Kahlbutz

Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, wo die Kinder Deine Geschichten nicht mehr gruselig finden und überhaupt übertrieben aufmüpfig werden. Möglicherweise kann sie dann ein Besuch bei der mumifizierten Leiche des Ritters Kahlbutz vorübergehend zur Räson bringen. Dazu begibt man sich in das havelländische Dorf Kampehl, knapp 100 Kilometer von Berlin und gut fünf von Kyritz an der Knatter entfernt.

Man muss sich vor dem Eingang zur Gruft der kleinen rechteckigen, aus Feldsteinen errichteten Wehrkirche von Kampehl gedulden, bis die vorherigen Besucher ihren ca. zwanzigminütigen Besuch beendet haben. Dann darf man selber in die Gruft treten, die gerade mal Raum für ein Dutzend Personen bietet. Ein Dorfbewohner hält dann einen recht launigen Vortrag und beantwortet die wohl immergleichen Fragen der Besucher.

Ein rissiger Sargdeckel, eine mittelalterliche Turnierlanze, ein paar geschmiedete Helme und ein kleiner Verkaufstisch im Broschüren und Postkarten lenken kaum vom dunklen Holzsarg mit gläsernem Deckel ab. Auf weißem Stoff drapiert liegt hier die Mumie, die Hände gefaltet, den Schoß mit einem Tuch bedeckt, eigenartig, gelbledrig eingeschrumpelt aber eben für eine dreihundert Jahre alte Leiche in einem erstaunlich frischen Zustand.

Im 16. Jahrhundert wurde die Familie Kalebuz erstmals als Besitzer des Rittergutes von Kampehl erwähnt. Bis 1783 behielt sie den Besitz, dann starb ihr letzter männlicher Spross. Mit Gottliebe Sophie von Kalebuz, Stiftsfräulein in Heiligengrabe, verstarb auch der letzte weibliche Vertreter im Jahre 1795 – zumindest was die offiziellen Nachkommen angeht. Die Familie Kröcher auf Lohm erwarb das Rittergut. Bereits nach wenigen Jahren wurde der Besitz aber schon an den Königlichen Stallmeister Krell verkauft. Der fühlte sich der Gemeinde verpflichtet und ließ 1794 die Dorfkirche renovieren. Um das ursprüngliche Aussehen der Kirche wieder herzustellen, sollte die nachträglich errichtete Grabkapelle, die Begräbnisstätte derer von Kalebuz, abgetragen und ihre Särge erdbestattet werden. Beim öffnen der Särge stellte man erstaunt fest, dass eine der Leichen unverwest ist. Man erinnerte sich an die Geschichte des Christian Friedrich von Kalebuz.

Der lebte von 1651 bis 1702 und war damit ein Zeitgenosse des Kurfürsten Friedrich Wilhelm. An seiner Seite kämpfte Christian Friedrich in der Schlacht von Hakenberg gegen die Schweden und erlitt eine Verwundung, deren Narbe am linken Knie an der Mumie zu erkennen ist. Der Ritter hatte 11 eheliche Kinder. Es werden ihm aber über 30 weitere außereheliche nachgesagt. Angeblich soll der Ritter gern auf das „Recht der ersten Nacht“ bestanden haben. 1690 fand in Dreetz bei Neustadt/Dosse ein Prozess gegen Christian Friedrich von Kalebuz statt. Er sollte den Schäfter Pickert erschlagen haben. Das behauptete jedenfalls die Braut des Erschlagenen, Maria Leppin. Da es keine Zeugen und Beweise für die Tat gab, wurde der Angeklagte nach einem „Reinigungseid“ freigesprochen.

Es gab eine Reihe von Anzeichen, dass es sich bei der mumifizierten Leiche um Christian Friedrich handelte. Bald entstand die Sage, dass der Ritter den Schäfer erschlagen habe, weil seine Verlobte dem Gutsherren die „erste Nacht“ verweigert hätte. Das sein Reinigungseid den Zusatz enthielt, falls er doch der Mörder gewesen wäre, möge seine Leiche niemals verwesen, kam auf. Die Sage fand schließlich 1881 Eingang in die schriftlichen Aufzeichnungen des Küsters und Lehrers Leopold Schaumann aus Wusterhausen an der Dosse.

Im Laufe der Zeit mussten die (un)sterblichen Überreste des Ritters einiges über sich ergehen lassen. So sollen sie einmal uniformiert als Wache in ein Schilderhaus aufgestellt oder auch schon mal einem Brautpaar ins Hochzeitsbett gelegt worden sein. Die Dorfjugend drapierte die Mumie auf der Friedhofsmauer und auf dem Dach des Schulhauses. Einige Jahre soll sie sogar im Wartezimmer einer Arztpraxis in Neustadt aufgestellt gewesen sein. Aus einem entwendeten Stiefel sollen Leipziger Studenten ihren gemeinschaftlichen Trunk genommen haben, ehe er reumütig zurück geschickt wurde. Natürlich verkündet die mündliche Überlieferung, dass solcher Schabernack immer auf schreckliche, übernatürliche Weise bestraft wurde.

Von 1794 bis 1945 wurde die Mumie unter der Obhut der Kirche der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bereits anlässlich der nationalsozialistischen Olympiade 1936 besuchten Tausende die Kampehler Dorfkirche und es sollen von japanischen und amerikanischen Geschäftsleuten bedeutende Summen für den Erwerb geboten worden sein. Während der DDR-Zeit eignete sich die Stadt Neustadt die Mumie an, Proteste der Kirche ignorierend. 1989 versuchte eine Gruppe um den damaligen Neusdtädter Bürgermeister Bublitz sich die Mumie endgültig zu Eigen zu machen. Angeblich wollte man vermeiden, dass die Kirche den Ritter erdbestattet und damit eine einträgliche Sehenswürdigkeit beseitigt. Heimlich wurde das ehemalige Spritzenhaus für einen Informationsraum rekonstruiert. Ein Traktor und einige verpflichtete ABM-Kräfte standen bereit um die Mumie umzulagern. Einzelne Stadtverordnete und engagierte Bürger verhinderten die Umbettung und es kam letztendlich zu einem gerichtlichen Vergleich zwischen Stadt und Kirche, der besagte, die Mumie in der Kirche zu lassen, aber zu gewährleisten, dass sie für die Öffentlichkeit zugänglich bliebe.

Die Geschichte des Ritters von Kahlbutz wird in dem 1998 gedrehten Jugendfilm „Spuk aus der Gruft“ mit Matthias Schweighöfer und Kurt Böwe aufgegriffen.

Zahlreiche Ärzte – darunter Rudolf Virchow und Ferdinand Sauerbruch – haben versucht dem Rätsel der Mumifizierung wissenschaftlich auf den Grund zu gehen, eine eindeutige Erklärung konnten sie bis heute nicht liefern. Aber zum Kindererschrecken taugt die Mumie auf alle Fälle.

Mein Beitrag zu Ritter Kahlbutz / Kalebuz – Ich bin Stroheim – auf Qype

23
Sep
09

Grünfläche Salzwedeler Straße: Bürgerschaftliches Engagement ist möglich

Ganz am Ende der kleinen Moabiter Salzwedeler Straße, da wo sie auf die Quitzow trifft, befindet sich eine bescheidene Grünfläche. Im letzten Weltkrieg wurde hier die Bebauung weggebombt und weil die Fläche so winzig, spitz und abseitig war, wurde sie nicht neu bebaut, sondern die Rückeroberungstendenzen der Natur wurden weitgehend akzeptiert. Das bezirkliche Grünflächenamt nahm jahrzehntelang nur kleine, unverzichtbare Eingriffe vor, denn irgendwie musste es sich ja legitimieren. Es trafen sich hier nur einige Trinkkumpane und zwielichtige Gestalten, die es zu schätzen wussten, dass alle Anderen lieber einen Bogen um diese Areal schlugen. Vor ein paar Jahren gelang es einer Bürgerinitiative die Verkehrsberuhigung des Stephankiezes durchzusetzen. Sie bestand im Grunde nur aus zweieinhalb Aktiven, hatte aber enormen Rückhalt in der Bevölkerung – quer zu allen ethnischen Grenzen. Vom eingestellten Etat war noch etwas Geld übrig, das für die Neugestaltung dieser Grünfläche genutzt wurde. So wurde eine offene, einsehbare Durchwegung geschaffen, Tischtennisplatten und Schachtische wurden aufgestellt.

Und es funktioniert. Das Areal wird angenommen. Aber leider gibt es auch hier wieder Leute, deren Verbundenheit zu dieser Fläche übertrieben erscheint.

Manche mögen im Rahmen einer lebendigen Kommunikationskultur ihre Botschaften an die Schachspieler hinterlassen.

Andere – mögen Sie in Zehlendorf oder Weißensee ein Eigenheim mit Garten haben – brauchen die materielle Verbundenheit und verpflanzen aus lauter Solidarität mit dem alten Arbeiterkiez auch schon Mal ein Gewächs in den heimatlichen Garten.

Einige wollen es ganz gemütlich haben und spenden ihren Lieblingssessel um die Aufenthaltsqualität zu steigern.

Auch durch aktive Farbumgestaltung artikuliert sich Anwohnerengagement.

Hundehalter demonstrieren mit den Hinterlassenschaften ihrer Lieblinge, wozu diese eigenartigen Beutel da sind.

Einige können in ihrem Lieblingspark keine rechten Winkel akzeptieren.

Jeder kann mitmachen. Bürgerschaftliches Engagement hat viele Ausdrucksformen.

Mein Beitrag zu Grünfläche Salzwedeler Straße – Ich bin Stroheim – auf Qype

23
Sep
09

Was nicht in den Geschichtsbüchern steht: Die 3. Welt im 2. Weltkrieg

Nur noch wenige Tage gibt es die Möglichkeit die Ausstellung „Die dritte Welt im zweiten Weltkrieg“ anzuschauen. Man kann sie mit zahlreichen Ton- und einigen Filmexponaten in den Uferhallen und in abgespeckter Form in der Werkstatt der Kulturen sehen.

Die Ausstellung, konzipiert von dem Verein Africavenir, dem Verein Recherche International und dem Kölner Journalisten Karl Rössel, hatte im Vorfeld für einige Aufregung gesorgt. Offensichtlich hatte sich Philippa Ebéné eine vollkommen andere Ausstellung vorgestellt. Sie wollte „eine Hommage an die gefallenen POCs (People of Colour), die Deutschland vom Faschismus befreiten.“ Warum es in Vorfeld nicht möglich war, sich darüber zu verständigen, dass es sich hier offenbar um zwei gewaltig voneinander abweichende Konzepte handelte, ist kaum nachvollziehbar. Die Motivation Ebénés erschließt sich aus einem Artikel der Jungle World. Hier findet sich auch ein Interview mit Karl Rössel. Die gegenseitigen Unterstellungen und Vorwürfe der Zensur, des Eurozentrismus, Rassismus und Antisemitismus etc.- gerne auch von dritter Seite – waren so absurd wie schädlich. Haben der Ausstellung aber immerhin reichlich Aufmerksamkeit beschert.

Sicher ist die Ausstellung reichlich textlastig, aber sie ist ein Meilenstein. Erstmalig wird hier ein vergessenes Kapitel der Geschichte thematisiert, die Folgen des Zweiten Weltkrieges für Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika. Eine Fülle von Einzelaspekten der verschiednen Regionen, die das Interesse weckt, sich intensiver damit zu beschäftigen, wird präsentiert. Absolut sehenswert!

Mein Beitrag zu Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg – Ich bin Stroheim – auf Qype

17
Sep
09

Atombomben suchen und gleich zuschlagen

Während einer Google-Recherche machte man mir das folgende, beänstigende Angebot.

Atombomben